Trends in der Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie

Trends in der Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie

Die Automobilindustrie war schon immer einer der am stärksten automatisierten Industriezweige. Die Automatisierung im Schweißbereich geht mittlerweile jedoch über den Einsatz herkömmlicher Roboter hinaus, die repetitive Punktschweißarbeiten ausführen. Die Hersteller setzen intelligente Sensoren, vernetzte Produktionssysteme, kollaborative Roboter, digitale Zwillinge und fortschrittliche Schulungstechnologien ein, um Flexibilität, Qualität und Produktivität zu verbessern.

Dieser Wandel ist besonders wichtig, da Automobilunternehmen ihre Produktionslinien auf Elektrofahrzeuge, neue Leichtbaumaterialien und zunehmend maßgeschneiderte Fahrzeugplattformen umstellen. Das Verständnis der neuesten Trends im Bereich der Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie kann Herstellern dabei helfen, ihre Anlagen und Mitarbeiter auf eine stärker vernetzte und flexiblere Produktionsumgebung vorzubereiten.

Warum wächst die Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie weiter?

Automobilwerke sind auf Tausende von Schweißnähten angewiesen, um Karosserien, Fahrgestelle, Hilfsrahmen, Abgassysteme, Batterieträger und andere wichtige Bauteile zu montieren. Selbst geringfügige Schwankungen in der Schweißqualität können die strukturelle Integrität, die Produktionskosten und die Liefertermine beeinträchtigen.

Industrieroboter bieten die Geschwindigkeit, Wiederholgenauigkeit und Präzision, die für die Serienfertigung in der Automobilindustrie erforderlich sind. Nach vorläufigen Daten der International Federation of Robotics war die Automobilindustrie in den Vereinigten Staaten weiterhin der größte Abnehmer von Industrierobotern; im Jahr 2025 wurden dort rund 13.500 Einheiten installiert.

Die Automatisierung ist daher nicht mehr auf die größten Fahrzeughersteller beschränkt. Auch Tier-1- und Tier-2-Zulieferer setzen zunehmend auf modulare Schweißzellen, kollaborative Roboter und benutzerfreundlichere Programmiersysteme, um kleinere Produktionschargen zu automatisieren.

1. Intelligentere Roboterschweißzellen

Einer der wichtigsten Trends ist der Übergang von isolierten Schweißrobotern zu intelligenten, vernetzten Schweißzellen. Moderne Roboterzellen können Folgendes integrieren: 

  • Schweißstromquellen.
  • Robotersteuerungen.
  • Sensoren zur Nahtverfolgung.
  • Bildverarbeitungssysteme.
  • Positionierer und Halterungen.
  • Software zur Qualitätsüberwachung.
  • Fertigungssteuerungssysteme.
  • Plattformen für die vorausschauende Instandhaltung.

Diese Vernetzung ermöglicht es Herstellern, Produktionsdaten aus jedem Schweißzyklus zu erfassen. Anstatt nur das fertige Bauteil zu prüfen, können Unternehmen die Schweißparameter während der Produktion überwachen und Abweichungen erkennen, bevor diese zu großflächigen Mängeln führen. Vernetzte Fertigungszellen erleichtern zudem den Leistungsvergleich zwischen Produktionslinien, Schichten oder Werken.

2. Künstliche Intelligenz und adaptives Schweißen

Beim herkömmlichen Roboterschweißen werden vordefinierte Bewegungsbahnen und Parameter befolgt. Bei realen Bauteilen können jedoch Abweichungen auftreten, die durch Toleranzen, Positionierungsfehler, thermische Verformungen oder Unterschiede zwischen Materialchargen verursacht werden.

Adaptive Schweißsysteme nutzen Sensoren und Software, um den Prozess während des Schweißens anzupassen. Je nach Anwendungsfall kann das System folgende Parameter anpassen:

  • Position der Fackel.
  • Fahrgeschwindigkeit.
  • Spannung und Strom.
  • Drahtvorschubgeschwindigkeit.
  • Arbeitswinkel.
  • Abstand vom Gelenk.
  • Roboterbahn.

Modelle der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens können zudem historische Schweißdaten analysieren, um Muster zu erkennen, die mit Fehlern, Verschleiß der Anlagen oder Prozessinstabilität zusammenhängen.

Das Ziel besteht nicht lediglich darin, die Bewegung des Schweißbrenners zu automatisieren: Das Ziel ist es, einen Schweißprozess zu schaffen, der auf sich ändernde Produktionsbedingungen reagieren kann und dabei eine gleichbleibende Qualität gewährleistet.

3. Fortschrittliche Bildverarbeitungs- und Nahtverfolgungssysteme

Die Bildverarbeitungstechnologie entwickelt sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie.

Kameras, Laserscanner und integrierte Sensoren helfen Robotern dabei, Bauteile zu lokalisieren, Verbindungsstellen zu erkennen und ihre Bewegungsbahnen zu korrigieren. Diese Systeme sind besonders nützlich, wenn Teile nicht genau wie erwartet positioniert sind oder wenn sich die Geometrie einer Verbindungsstelle durch Wärmeverformung verändert. Integrierte Bildverarbeitungssysteme unterstützen zudem flexible Fertigungslinien, in denen verschiedene Fahrzeugmodelle oder Bauteilvarianten innerhalb derselben Anlage hergestellt werden.

FANUC hebt Bildverarbeitungssysteme, Tools für die vorausschauende Instandhaltung und die Integration mehrerer Roboter als Schlüsseltechnologien zur Verbesserung der Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Betriebszeit automatisierter Punktschweißvorgänge hervor. Bei seinen Lösungen für die Automobilindustrie wird zudem die Bedeutung der Wiederholgenauigkeit für Fahrzeugrahmen, Karosserieteile und Batteriestrukturen von Elektrofahrzeugen betont.

4. Kollaborative Roboter und einfachere Programmierung

Kollaborative Roboter, auch Cobots genannt, machen die Schweißautomatisierung auch für Hersteller zugänglich, die möglicherweise nicht über umfassende Fachkenntnisse im Bereich der Robotik verfügen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Karosseriewerkstätten, in denen zahlreiche Roboter hinter Sicherheitszäunen stehen, sind kollaborative Schweißsysteme oft für kleinere Chargen und flexiblere Arbeitsabläufe ausgelegt. Sie können dazu beitragen, sich wiederholende Schweißarbeiten zu automatisieren, während sich erfahrene Schweißer auf die Einrichtung, die Prüfung, komplexe Verbindungen und die Prozessoptimierung konzentrieren.

Eine weitere wichtige Entwicklung ist die No-Code- oder Low-Code-Programmierung. Die Bediener können eine Schweißbahn zunehmend einlernen, indem sie den Roboter führen, Punkte über eine grafische Benutzeroberfläche auswählen oder Informationen aus einem digitalen Modell importieren.

So nutzt beispielsweise die kollaborative Lichtbogenschweißzelle von ABBautomatisch generierte Programme und ein einfach zu bedienendes Teach-Gerät, um die Programmierzeit für Roboter zu verkürzen. Das Unternehmen gibt an, dass diese Konfiguration bei geeigneten Anwendungen bis zu 70 % der Programmierzeit einsparen kann.

5. Digitale Zwillinge und Offline-Programmierung

Mithilfe von digitalen Zwillingen können Hersteller virtuelle Nachbildungen von Schweißroboterzellen, Bauteilen und Produktionsprozessen erstellen. Die digitale Simulation trägt zudem zu einer schnelleren Markteinführung von Produkten bei, da Schweißabläufe bereits vorbereitet werden können, bevor die endgültige Produktionszelle vollständig zur Verfügung steht. Ingenieure können diese Umgebungen nutzen, um:

  • Entwicklung und Validierung von Roboterzellen.
  • Prüfen Sie die Zugänglichkeit der Brenner.
  • Mögliche Kollisionen erkennen.
  • Taktzeiten optimieren.
  • Vorrichtungen und Positionierer simulieren.
  • Roboterbahnen offline programmieren.
  • Alternative Produktionslayouts bewerten.

Durch die Offline-Programmierung lässt sich die Zeit reduzieren, in der die Anlagen für Tests oder Neuprogrammierungen stillstehen müssen. Dies ist insbesondere in der Automobilfertigung von großem Wert, wo jede Minute Produktionsausfall hohe Kosten verursachen kann.

6. Vorausschauende Instandhaltung und vernetzte Geräte

Automobilhersteller nutzen zunehmend Produktionsdaten, um vorherzusagen, wann Schweißanlagen gewartet werden müssen. Dieser Ansatz löst nach und nach die rein reaktive Instandhaltung ab.

Roboterbewegungen, der Zustand des Schweißbrenners, das Drahtvorschubverhalten, Zykluszeiten und Anlagenalarme können kontinuierlich überwacht werden. Wenn das System ein ungewöhnliches Muster erkennt, können Wartungsteams eingreifen, bevor ein Ausfall die Produktionslinie zum Stillstand bringt. Vorausschauende Instandhaltung kann Automobilherstellern helfen:

  • Unerwartete Ausfallzeiten reduzieren.
  • Verlängern Sie die Lebensdauer der Geräte.
  • Planen Sie Wartungsarbeiten während geplanter Stillstände.
  • Erkennen Sie eine nachlassende Schweißleistung.
  • Das Ersatzteilmanagement verbessern.

7. Automatisierung in der Elektrofahrzeugfertigung

Der Ausbau der Produktion von Elektrofahrzeugen bringt neue Herausforderungen im Bereich des Schweißens mit sich. Automatisierungssysteme müssen flexibel genug sein, um diese unterschiedlichen Prozesse zu bewältigen und gleichzeitig empfindliche Bauteile zu schützen sowie strenge Qualitätsanforderungen einzuhalten.

Bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen kommen Komponenten wie Batterieträger, Batteriemodule, leichte Strukturbaugruppen und Fahrzeugkarosserien aus Materialmischungen zum Einsatz. Diese Teile erfordern unter Umständen ein hohes Maß an Präzision, Temperaturregelung und Prozessüberwachung. Automobilhersteller kombinieren daher verschiedene Fügetechnologien, darunter:

  • Widerstandspunktschweißen.
  • Metall-Schutzgas-Schweißen.
  • Laserschweißen.
  • Laserlöten.
  • Reibungsbasierte Verfahren.
  • Robotergestützter Klebstoffauftrag.
  • Automatisiertes Nieten und mechanische Befestigung.

Trends in der Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie auf einen Blick

Trend

Hauptanwendung

Hauptvorteil

Adaptives Schweißen

Parameter- und Bahnkorrektur in Echtzeit

Gleichmäßigere Schweißqualität

Bild- und Nahtverfolgung

Erkennung von Fugen und Positionierung von Bauteilen

Höhere Genauigkeit und Flexibilität

Kollaborative Roboter

Fertigung mit großer Produktvielfalt und geringeren Stückzahlen

Zugänglichere Automatisierung

Digitale Zwillinge

Entwurf virtueller Zellen und Offline-Programmierung

Kürzere Inbetriebnahmezeit

Vorausschauende Instandhaltung

Vernetzte Roboter und Schweißgeräte

Weniger ungeplante Ausfallzeiten

Auf Elektrofahrzeuge ausgerichtete Automatisierung

Batterie und Leichtbaukonstruktionen

Präzise Steuerung neuer Anwendungen

Digitale Mitarbeiterschulung

Roboterbetrieb und Vorbereitung des Schweißprozesses

Schnellere und sicherere Weiterbildung

Die Fachkräfte hinter der Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie

Fortschrittliche Automatisierung macht qualifizierte Fachkräfte nicht überflüssig. Vielmehr verändert sie die Anforderungen an die Qualifikationen in der Automobilschweißtechnik.

Unternehmen benötigen Mitarbeiter, die sich sowohl mit Schweißen als auch mit Automatisierung auskennen. Die Bediener müssen erkennen können, ob ein Problem mit der Roboterprogrammierung, der Positionierung der Bauteile, den Schweißparametern, den Verschleißteilen oder der Nahtvorbereitung zusammenhängt. Eine Schulung im Bereich Roboterschweißen sollte daher Folgendes umfassen:

  • Grundlagen der Schweißverfahren.
  • Roboterprogrammierung.
  • Werkzeug- und Benutzerrahmen.
  • Schweißbahnen.
  • Prozessplanung.
  • Parameterauswahl.
  • Sicherheitsvorkehrungen.
  • Qualitätsanalyse.

Schulungen direkt an Produktionsrobotern können kostspielig sein und den Betriebsablauf stören. Sie können wertvolle Anlagen blockieren, Material verbrauchen und unerfahrene Lernende industriellen Risiken aussetzen.

Vorbereitung von Motorsportteams mit Seabery

Seabery Robotics simulator

Der Schweißsimulator von Seabery Robotics bietet eine auf Augmented Reality basierende Umgebung für die Schulung im Roboterschweißen. Er kombiniert Simulation mit echten Bauteilen und lässt sich in Roboter verschiedener Hersteller integrieren.

Die Bediener können sich mit der Roboterprogrammierung, Werkzeugrahmen, Benutzerrahmen, der Prozessplanung und Schweißroutinen vertraut machen, bevor sie an den Produktionsanlagen im Echtbetrieb arbeiten. Außerdem können sie Programmänderungen, Bahnkorrekturen und Schweißparameter testen, ohne den Betrieb einer Automobil-Produktionszelle zu unterbrechen.

Für manuelle Schweißarbeiten in der Automobilfertigung ermöglicht Seabery Welding PRO Unternehmen die Digitalisierung kundenspezifischer Teile mithilfe seines „Digital Replica“-Ansatzes. Schweißer können an virtuellen Nachbildungen realer Produktionskomponenten üben, dabei unternehmensspezifische Schweißverfahren (WPS) befolgen und messbare Leistungskennzahlen analysieren.

Das System kombiniert echte Schweißgeräte mit einer Augmented-Reality-Simulation und hilft Herstellern so dabei, Schweißfertigkeiten zu entwickeln, ohne Produktionsmaterialien zu verbrauchen oder die Auszubildenden den Gefahren eines offenen Lichtbogens auszusetzen. Seabery gibt an, dass seine Kunden durch den Einsatz des Systems bis zu 33 % schneller die erforderliche Kompetenz erreicht und den Verbrauch von Rohstoffen, Energie und Verbrauchsmaterialien um bis zu 66 % gesenkt haben, wobei die Ergebnisse von der jeweiligen Umsetzung abhängen.

Die Zukunft der Schweißautomatisierung in der Automobilindustrie

Die Zukunft des Schweißens in der Automobilindustrie wird Robotik, intelligente Prozesssteuerung, digitale Simulation und hochqualifizierte Fachkräfte miteinander verbinden.

Roboter werden auch weiterhin repetitive und in großem Umfang anfallende Arbeitsschritte übernehmen, doch die wettbewerbsfähigsten Automobilhersteller werden diejenigen sein, die in der Lage sind, Automatisierung mit Qualitätsdaten, flexibler Programmierung und einer effektiven Personalentwicklung zu verbinden.

Mithilfe von Tools wie Robotersimulationen, Augmented Reality und digitalen Nachbildungen können Automobilunternehmen ihre Mitarbeiter schon vor dem Einsatz in der Produktion vorbereiten. Dies trägt zu einer schnelleren Einführung neuer Technologien, sichereren Schulungen, geringeren Ausfallzeiten und einer gleichbleibenderen Schweißqualität in den immer komplexer werdenden Fahrzeugfertigungsprozessen bei.

Nach oben scrollen